Erste Ergebnisse aus dem Projekt: 8 Tonnen sind machbar!
4 Dec, 2025
Björn Schulz
von WWF Deutschland

Spotlight: 8 Tonnen sind machbar

Vorläufige Erkenntnisse aus dem WWF-Projekt Ressourcenleicht Leben 2045

Deutschland verbraucht derzeit rund 16 Tonnen Rohstoffe pro Kopf und Jahr. Mehr als doppelt so viel wie ökologisch tragfähig wäre. Laut der Wissenschaft sind lediglich sechs bis acht Tonnen nachhaltig. Der Abbau dieser Übernutzung ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine Frage von Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Resilienz: Wer Ressourcen spart, macht sich unabhängiger von Importen, stärkt die heimische Wirtschaft und mindert Risiken in Krisenzeiten. Mit der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) hat die Bundesregierung Ende 2024 erstmals das Leitbild verankert, den Rohstoffverbrauch bis spätestens 2045 zu halbieren. Entscheidend ist nun, wie dieser Wandel konkret gelingt und wie Politik, Wirtschaft und Bürger:innen dafür gewonnen werden können.

Das WWF-Projekt Ressourcenleicht Leben 2045

Das Projekt „Ressourcenleicht Leben 2045“ zeigt, wie ein gutes Leben innerhalb ökologischer Grenzen aussehen kann. Es verbindet drei Perspektiven:

  • Die Modellierung analysierte, wie unterschiedliche Lebensstile heute den Ressourcenverbrauch prägen, und übertrug diese Erkenntnisse in fünf Zukunftspersonas für das Jahr 2045. Alle wurden so konzipiert, dass ihr Ressourcenverbrauch unterhalb der 8-Tonnen-Grenze liegt.
  • 30 Bürger:innen entwickelten alltagstaugliche Zukunftsbilder und beschrieben Chancen, Hemmnisse und Hebel für eine Halbierung des Ressourcenverbrauchs.
  • Im Projekt wurden Narrative, Kernbotschaften und Kommunikationsideen direkt mit den 30 Teilnehmenden erarbeitet und getestet. Eine repräsentative Umfrage prüfte im Anschluss, wie anschlussfähig die Zukunftsbilder in der Bevölkerung sind.

So entstanden mit den Projektpartnern (Wuppertal Institut, Öko-Institut, Politics for Tomorrow, Ellery Studio) greifbare Szenarien für ein ressourcenschonendes Leben und konkrete Hinweise, wie der Weg dorthin politisch und kommunikativ gestaltet werden kann.

Ressourcenkonsum: Status Quo

  • Private Haushalte sind zentral: Sie verursachen 49 Prozent des Rohstoffverbrauchs in Deutschland. Die übrigen 51 Prozent entfallen auf staatliche Infrastruktur, Unternehmen und öffentliche Investitionen.
  • Welche Konsumfelder haben den größten Impact? Wohnen, Ernährung und Mobilität sind die drei größten Hebel im privaten Konsum. Hier liegt das meiste Einsparpotenzial. Bildung und Kleidung spielen dagegen nur eine sehr geringe Rolle beim Rohstoffverbrauch. Ein Teil des Konsums ist notwendig: Besonders bei Wohnen und Ernährung braucht es eine gewisse Menge an Ressourcen, um Grundbedürfnisse zu decken.
  • Einkommen macht den größten Unterschied: Wer weniger als 1.250 Euro netto im Monat verdient, verbraucht im Schnitt 11 Tonnen Rohstoffe pro Jahr. Bei Einkommen ab 5.000 Euro liegt der Verbrauch im Schnitt bei 20,4 Tonnen: Also fast doppelt so viel. Andere Variablen wie Alter und Urbanisierungen haben einen viel kleineren Effekt.

Modell 2045: Unter 8t ist möglich, unterschiedliche Lebensstile auch

Für das Projekt wurden fünf Personas  von den Bürger:innen entwickelt, die idealtypischen Lebensweisen im Jahr 2045 darstellen, alle mit einem Ressourcenverbrauch von unter 8 Tonnen RMC pro Kopf und Jahr. Grundlage dafür sind gemeinsame Annahmen (z. B. zur Infrastruktur und zu systemischen Veränderungen), die für alle Personas gleich gelten. Auf dieser Basis wurden unterschiedliche individuelle Konsummuster modelliert, die verschiedene Lebensphasen und Lebensstile abbilden.

Die Berechnungen beziehen sich auf eine defossilisierte Zukunft, in der zentrale systemische Veränderungen, die dem GreenSupreme-Szenario der UBA-RESCUE-Studie entsprechen, bis 2045 umgesetzt sind. Die Personas zeigen, wie sich individuelles Konsumverhalten innerhalb dieses Rahmens verändern kann: Würden alle Menschen in Deutschland so leben wie eine der fünf Personas, läge der Ressourcenverbrauch unterhalb der 8-Tonnen-Grenze.

Neben Zahlen und Daten wurden auch die subjektiven Perspektiven der Personas erarbeitet: ihre größten Hürden, Hebel und Ängste auf dem Weg zu einem ressourcenleichten Leben, sowie Ansätze, wie die Transformation hin zu einer ressourcenleichten Gesellschaft bestmöglich kommuniziert werden kann.

Kommunikation ist der Schlüssel: Wandel erzählen & Menschen mitnehmen

Die Beteiligungsprozesse zeigten fünf zentrale Kommunikationsmuster für erfolgreiche Transformationskommunikation. Erstens wirkt Zugewinn statt Verzicht als Leitprinzip: Ressourcenschonung wurde anschlussfähig, wenn sie mit neuer Lebensqualität, Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit statt mit Einschränkung verbunden war. Zweitens erzeugten konkrete Narrative (z.B. Personas oder humorvolle Alltagsgeschichten) deutlich mehr Resonanz als abstrakte Zahlen, weil sie Identifikation und Eigeninterpretation ermöglichten. Drittens fanden greifbare, alltagsnahe Zukunftsbilder (Wochenmärkte, Nachbarschaftsküchen) stärkeren Anklang als technikzentrierte Utopien. Eine ressourcenleichte Zukunft wurde akzeptiert, wenn sie vertraut, handlungsnah und mitgestaltbar erschien. Viertens erwiesen sich offene Fragen („Was brauchst du wirklich?“) wirksamer als Appelle, da sie Reflexion und aktive Aneignung auslösten. Und fünftens war Glaubwürdigkeit zentral: Kommunikation überzeugte nur, wenn sie individuelle Konsumstile mit strukturellen Rahmenbedingungen verband und gesellschaftliche Realitäten und Hemmnisse (z.B. Zeitmangel, Kosten, Infrastruktur) anerkannte.

Wenn der Wandel wie beschrieben kommuniziert wird und die passenden politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden, erweist sich ein „8-Tonnen-Lebensstil“ für die Mehrheit der Deutschen als attraktiv, laut unserer repräsentativen Umfrage von 1001 Menschen. In einem 2045-Szenario kann sich die Mehrheit vorstellen und würde es attraktiv finden, auf  40 m² Wohnfläche pro Person zu leben, sich überwiegend pflanzlich zu ernähren und kein eigenes Auto mehr zu besitzen. In der Umfrage sagen 87% bei Möbeln und 84% bei Elektronik, dass sie diese um mindestens +3/+5 Jahre länger nutzen würden; bei Kleidung sind es 73%.

Die Motivation für diese Lebensstiländerungen liegt vor allem in finanziellen Einsparungen (60 %), gesundheitlichen und zeitlichen Co-Benefits wie einem gesünderen Lebensstil und Entschleunigung (39 %) sowie dem Wunsch, Klima und Umwelt zu schützen (30 %). Die zentrale Botschaft lautet: Die Änderungsbereitschaft ist da, aber muss durch Infrastruktur und Politik ermöglicht werden.

Den Wandel politisch gestalten

Damit ein Leben innerhalb unserer Ressourcen-Grenzen Realität werden kann, braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen. Unsere Analysen und die repräsentative Umfrage zeigen, welche Instrumente wirksam und umsetzbar sind. Strukturelle Stolpersteine fressen hier häufig die gesellschaftliche Bereitschaft. Oft fehlt schlicht Alltagstauglichkeit wie Anreize für Wohnungstausch, faire Preise für pflanzliche Alternativen oder leichter Zugang zu Reparaturangeboten. Gleichzeitig zeigt die Umfrage: Sechs von zehn Menschen halten gesetzliche Regelungen zum Ressourcenschutz für wichtig oder sehr wichtig.

Daraus ergeben sich für uns klare Forderungen: Die ambitionierte Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) darf nicht bei Leitbildern stehenbleiben, sondern muss auch verbindliche Ressourcenziele enthalten, die kontinuierlich über ein Monitoring überprüft werden. Der Weg zur Halbierung des Rohstoffverbrauchs ist machbar, die Änderungsbereitschaft ist da. Entscheidend ist, den nächsten Schritt zu gehen und die Ressourcenziele gesetzlich abzusichern.

Mehr Informationen, die Publikation der Endergebnisse und ein Webinar finden Sie ab Anfang 2026 auf www.ressourcenleichtleben.de

Wir freuen uns auf Gespräche mit Ihnen zu den Ergebnissen!